Grandioser Auftakt für den Club zur Vahr

1. Bundesliga Nord - Herren

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Stefan Bluemer

Das hat es bisher in der KRAMSKI Deutsche Golf Liga presented by Audi noch nicht gegeben: Aufsteiger Club zur Vahr feiert Premiere in der 1. Bundesliga und nutzt sein Heimrecht für einen famosen Spieltag. Titelverteidiger Hubbelrath muss sich mit Platz zwei zufrieden geben, obwohl Nicolai von Dellingshausen am Morgen in den Einzeln einen neuen Platzrekord aufstellt.

Osterholz-Scharmbeck – Einen tollen Spieltag erlebten die Athleten und Zuschauer im Norden bei den Herren: Hochspannung, etliche Wechsel der Führung, auf und ab auch bei den Platzierungen und einen Platzrekord. Fast wirkte es wie ein Wunschkonzert für Fans von spannendem Spitzensport. Dazu stimmte auch noch der Rahmen, den der Club zur Vahr organisiert hatte. Rund um das Clubhaus pulsierte das Leben, der Platz bekam viel Lob und auch das Wetter spielte mit, weil die Sonne genau so lange schien, bis auch der letzte Flight am Abend sein Spiel beendet hatte. Dieser Aufsteiger vom Traditionsclub aus der Hansestadt ist definitiv eine Bereicherung für die 1. Bundesliga.

Am Vormittag sah man auf der idyllisch gelegenen Anlage des Club zur Vahr vor den Toren Bremens viele strahlende Gesichter. Die Gastgeber des ersten Spieltags konnten offenbar ihr Glück kaum fassen, dass die Herren des Aufsteigers fast ständig im Livescoring auf Platz eins geführt wurden. Die Bremer gingen früh in Führung und behielten diese lange, bis auf der Backnine der Favorit aus Düsseldorf doch noch kam und nach den Einzeln mit einem Gesamtscore von +7 die Bremer um drei Schläge hinter sich lassen konnte.

Zu verdanken hatte der amtierende Meister dies insbesondere Nicolai von Dellingshausen, der mit einer 69 auf dem Par-74-Course einen neuen Platzrekord aufstellte und der einzige Spieler seines Teams war, der unter Par ins Clubhaus zurück kam. Damit stellte der Tour-Spieler seine derzeit bestechende Form unter Beweis, auch wenn er bei seiner zweiten bogeyfreien Wettkampfrunde in Folge durchaus noch Potenzial gesehen hatte, noch tiefer zu spielen.

Beim Club zur Vahr lag lange Zeit der Spieler am besten, der bis heute den Platzrekord von 70 Schlägen gehalten hatte. Hinrich Arkenau lag bei -4, fing sich am Ende der Runde aber noch zwei Bogeys, so dass er eine 72 unterschrieb. Bester Bremer im Einzel war Niklas Griffiths, der eine 71 (-3) ins Clubhaus brachte.

Nach den Einzeln lag der Hamburger GC mit +17 auf Rang drei, gefolgt vom GLC Berlin-Wannsee, der aber mit +25 schon gehörigen Rückstand hatte. Der Frankfurter GC ging mit drei Schlägen Rückstand auf die Berliner in die kurze Mittagspause, um danach aber angriffslustig in den Vierern das Feld gehörig aufzumischen.

Positionswechsel

Vorne schien es zunächst so, dass Hubbelrath sich auf dem Platz an der Sonne festsetzen würde. Auf bis zu sechs Schläge wuchs der Vorsprung des Meisters an, bei dem Trainer Roland Becker wegen familiärer Verpflichtungen erstmals einen Spieltag verpasste. Doch abgerechnet wird zum Schluss. Dachten sich auch die leicht euphorisierten Herren von CzV-Trainer Chris Webers, der in seiner Doppelrolle als Herren- und Damentrainer des Doppelaufsteigers tatkräftig von Co-Trainer Philipp Schmalz unterstützt wurde.

Gegen Mitte der Backnine kristallisierte sich heraus, dass Bremen noch einmal zurückkam, spät übernahm der CzV sogar wieder die Führung. Völlig verdient zog der Aufsteiger am Meister vorbei, denn drei der vier Vierer spielten grundsolide und kamen jeweils mit einer 75 (+1) vom Platz. Gesamt nur drei über Par am Nachmittag – damit war Bremen satte sieben Schläge besser als der Favorit vom Rhein.

Ebenfalls nur drei Schläge über Par sammelte am Nachmittag der Frankfurter GC. Unter Par blieben Sebastian von den Hoff und Max Röhrig, die eine 73 (-1) unterschrieben und damit den zweitenbesten Vierer des Tages bildeten. Ben Bradley und Lukas Buller steuerten eine 75 (+1) bei und die beiden Routiniers Boris Wölfel und Max Hirsch kamen mit einer 77 (+3) ins Clubhaus. Nachdem am Vormittag die Gesichter der Frankfurter noch eher angespannt waren, kam mit den Vierer die Zuversicht zurück. Früh zog Frankfurt an Berlin vorbei und machte dann sogar noch Druck auf Falkenstein. Nachdem die Hamburger sahen, dass es für den Tagessieg nicht reichen würde, fielen die Spieler in den Vierern in ein kleines Loch, so dass plötzlich sogar möglich schien, dass der FGC noch vorbeizieht. Bis auf einen Schlag war der Vorsprung der Hanseaten zusammengeschmolzen, ehe HGC-Kapitän Christian Niemietz und Trainer Roger Brown ihre Spieler wieder auf Spur brachten und so doch noch den dritten Platz sichern konnten. Besonders Niklas Adank und Bundesliga-Debütant Connor Engelmohr ergänzten sich hervorragend und brachten mit einer 74 den drittbesten Score des Nachmittags in die Wertung.

Beim GLC Berlin-Wannsee zeigte sich am Nachmittag, dass die vielen Ausfälle durch die Youngster noch nicht ganz kompensiert werden konnten. Als es kritisch wurde, waren die jungen Spieler, die von Trainer Arnar Olafsson ins kalte Wasser geworfen werden mussten, noch nicht in der Lage, dem Druck standzuhalten. Tour-Profi Philipp Mejow hatte mit Dean Berninger zwar einen grandiosen Nachmittag erwischt und spielten sich mit einer 70 (-4) in einen kleinen Rausch, aber die anderen Vierer mussten einige hohe Hausnummern notieren, so dass der Hauptstadtclub mit nur einem Punkt die Heimreise antreten muss.

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Stimmen vom Tag

Chris Webers, Coach des Tagessiegers Club zur Vahr, war am Abend sehr entspannt und freute sich riesig: „Ich muss das erstmal realisieren. Dass wir hier heute den Tagessieg holen, hätte ich nicht gedacht. Mit der Leistung bin ich mehr als zufrieden. Im Idealfall hatte ich mit Platz drei gerechnet, aber jetzt haben wir eine neue Situation und wir kommen unserem Ziel, nicht abzusteigen, näher. Das Saisonziel möchte ich aber noch nicht revidieren, weil ich noch nicht weiß, wieviel der Heimvorteil ausgemacht hat. In den vergangenen Jahren in der 2. Bundesliga war der Heimvorteil nicht so extrem von Bedeutung.“

Hinrich Arkenau, der Profi in Reihen des CzV, strahlte mit der Abendsonne um die Wette: „Diesen Heimsieg hat sich niemand von uns erträumen lassen. Seit ich beim Club zur Vahr bin, träume ich davon, mit der Mannschaft in der 1. Bundesliga zu spielen. Es war für mich eigentlich schon toll, mit der Mannschaft hier bei einem Heimspieltag aufteen zu können, aber mit dem Sieg jetzt war das definitiv einer meiner schönsten Tage im Golf überhaupt. Wir hatten das Ziel ausgegeben, sicher zu spielen und keine hohen Hausnummern zu fangen, denn wir wissen, dass auf diesem Platz die Konstanz zählt.“

Marc-Christopher Siebiera, der beim GC Hubbelrath als Kapitän auf dem Platz die Rolle von Meistercoach Roland Becker übernehmen musste, war nach dem letzten Putt mit der Leistung des Titelverteidigers nicht unzufrieden: „Die Mannschaft hat gut gespielt, es waren keine groben Ausreißer dabei. Am Anfang der Saison ist es immer wichtig, zu sehen, wo man selber steht und wie die anderen Teams spielen, deshalb sind wir mit dem zweiten Platz schon ganz zufrieden. Bremen hat seinen Heimvorteil perfekt ausgenutzt und verdient gewonnen.“

Christian Niemietz, Kapitän der ehrgeizigen Nachbarn des Aufsteigers, war am Nachmittag auf dem Platz viel unterwegs, um die Spieler aus Falkenstein zu unterstützen. Der Hamburger resümiert den Saisonauftakt insgesamt eher positiv: „Der Platz in Bremen ist wirklich schwer, zu spielen. Wir hatten einen kleinen Durchhänger, haben aber gute Moral bewiesen und ein gutes Finish gemacht. Es hat zum dritten Platz gereicht, weil die beiden anderen Mannschaften heute einfach besser waren. Wir nehmen dennoch viel Positives mit und werden um so härter daran arbeiten, beim nächsten Spieltag in Frankfurt wieder eine Top-Platzierung zu erreichen.“

Jan Förster, Coach des Frankfurter GC, analysierte den Spieltag aus Frankfurter Sicht: „Wir haben sehr viele Schläge auf den Grüns liegen lassen und als wir hinten lagen, haben wir Druck gespürt, Schläge aufholen zu müssen, was auf diesem taktisch anspruchsvollen Platz nicht einfach ist. Vom Tee war unser Spiel ordentlich. Nachdem wir den Vormittag etwas verbockt hatten, haben wir den Nachmittag sehr gut gestaltet, aber mit drei Ergebnissen aus den Vierern kann man eben nicht alles aufholen, was in den Einzeln schief gegangen war. Jetzt schauen wir nach vorne, um im Heimspieltag fünf Punkte zu holen und den anderen Konkurrenz zu machen.“

Marcus Neumann, Vorstand Sport des DGV, hatte den Saisonstart in Bremen besucht und einige interessante Dinge gesehen: „Dass so viele Spieler noch fehlen, rüttelt die Ergebnisse etwas durcheinander. Schön ist aber, dass viele Spieler eine Chance bekommen, die sonst selten zum Einsatz kommen. Die so genannte zweite Garde, besonders die jüngeren Spieler, haben mich sehr beeindruckt. Da kommt einiges nach. Die Liga wird von Jahr zu Jahr stärker. Das zeigen die Statistiken und auch in der Tiefe wird richtig gutes Golf gespielt. Das Interesse an diesem Saisonstart ist hoch, obwohl der Platz nicht so zentral liegt.“

 

Die Bilder des Vormittags

 

Endstand

1. Club zur Vahr +13
2. GC Hubbelrath +17
3. Hamburger GC +23
4. Frankfurter GC +31
5. GLC Berlin-Wannsee +40

Gesamtergebnis