GC St. Leon-Rot: Neuaufbau mit Schmuck

1. Bundesliga Süd

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von Thomas Kirmaier

Die neue Saison in der KRAMSKI Deutsche Golf Liga presented by Audi beginnt zwar erst am 12. Mai, aber bereits jetzt laufen in Deutschlands Golfclubs die Vorbereitungen auf Hochtouren. Damit die Saisonziele erreicht werden, wird trainiert, analysiert, organisiert.

In der 1. Bundesliga Süd der Herren ist vor dem ersten Abschlag der Trainerwechsel in St. Leon-Rot das Gesprächsthema. Marco Schmuck (zuletzt Olching/Foto) kam für Dominik Müller. Aber auch von den Teams aus Stuttgart, Mannheim, Herzogenaurach und Aufsteiger Olching gibt es interessante News.

GC St. Leon-Rot

Im Jahr 2012 war die Welt noch in Ordnung. Sechs Jahre ist das nun her. Damals hatten die Herren des GC St. Leon-Rot das letzte Mal die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Dass das Team von Dominik Müller in der Saison 2017 gar das Final Four verpasste, zwang die Macher des ambitionierten Clubs aus dem Rhein-Neckar-Kreis zum Handeln. Mit Marco Schmuck holten die Verantwortlichen einen neuen Trainer, der durch seine erfolgreiche Arbeit bei Aufsteiger Olching und überhaupt im deutschen Nachwuchsbereich seine Visitenkarte abgab. SLR-Geschäftsführer Eicko Schulz-Hanßen traf Schmuck und erörterte mit Bayerns Trainer des Jahres 2017 Möglichkeiten. Jetzt ist er da. Für Schmuck und seine Familie ist zwar alles noch ein bisschen neu, aber der 43-Jährige liebt die Herausforderung. „Das ist der FC Bayern des deutschen Golfsports. So eine Chance bekommst du nicht oft im Leben.“ Schmuck soll als Koordinator Leistungssport in St. Leon-Rot eine neue Mannschaft und eine Struktur aufbauen, die Herren- und Nachwuchsteams verzahnt.

Nicht mehr dabei sein werden dann Michael Hirmer, der sich dem Konkurrenten Stuttgarter GC Solitude angeschlossen hat, und Max Bögel, der zum GC Mannheim-Viernheim wechselt. Auch Alexander Matlari wird nur noch eingeschränkt einsatzfähig sein, weil er es wie Moritz Lampert als Professional versuchen möchte. Dafür werden Youngster wie Philipp Katich und Luca Maroto-Lopez ihre Chancen und Einsatzzeiten erhalten. Ende März reist die Mannschaft ins Trainingslager nach Portugal, um Feinarbeiten vorzunehmen. Nochmal ein Final Four verpassen – das soll den Bundesliga-Herren aus St. Leon-Rot so schnell nicht noch einmal passieren.

GC Mannheim-Viernheim

Wer der Boss ist, das ist im GC Mannheim-Viernheim allen klar. Ted Long leistet dort seit Jahren erfolgreiche Arbeit, entwickelt und formt Spieler. Jüngst hat er die beiden Zwillinge Jeremy und Yannik Paul sowie seinen Sohn Hurly in Profikarrieren geführt. Was diese jungen Männer so alles drauf haben, bewies Hurly Long im Vorjahr: 61 Schläge benötigte er beim Carmel Cup in Pebble Beach als Mitglied des Teams der Texas Tech University und knackte damit die Bestmarke aus dem Jahr 1983 von Tom Kite. Eine 61! Das hatten auf dem Kurs in Kalifornien zuvor nicht einmal Tiger Woods oder Dustin Johnson geschafft. Auch ein Verdienst von Papa Ted Long, den die PGA of Germany mit Standing Ovations kürzlich in Kassel zum Teacher of the Year kürte. Der US-Amerikaner feierte seinen bislang größten Mannschaftserfolg mit Mannheim-Viernheim im Jahr 2014, als das Team die Deutsche Meisterschaft gewann. Vier Jahre ist das her und das Ziel eines ehrgeizigen Mannes wie Long ist immer das Gewinnen. Aber vorrangig geht es ihm darum, seine „Jungs“ ständig besser zu machen.

An den Titel will Long 2018 gar nicht denken: „Wir müssen die Spieler und das Gerüst für die nächsten zwei bis drei Jahre finden. Das ist Herausforderung genug, da Hurly und Yannik jetzt auch Profis sind“, erklärt Ted Long. Da müssen andere in die Bresche springen. Zum Beispiel Mateja Zeman. Der 19-jährige Slowake hat 2017 bei Amateurturnieren teils beachtliche Resultate erzielt und möchte sich unter Long weiter verbessern. Neben Zeman stoßen Max Bögel und Nicklas Borrmann aus St. Leon-Rot zu Mannheim-Viernheim, Lukas Köble hat den GCMV Richtung Frankfurt verlassen.

Stuttgarter GC Solitude

Aus dem Duell um die Spitze zwischen Mannheim-Viernheim und St. Leon-Rot ist ein Dreikampf geworden. Der Stuttgarter GC Solitude hat spätestens im vergangenen Jahr bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist, wenn es um Tagessiege und volle Punktzahlen geht. Das ist in erster Linie ein Verdienst von Peter Wolfenstetter. Der Oberbayer hat den Schwaben so richtig Leben eingehaucht – so sehr, dass man plötzlich ganz andere Ziele hat als noch vor wenigen Jahren. Das Final Four hatten die Stuttgarter, bei denen die Zwillinge Alexander und Maximilian Herrmann sowie Severin Soller mächtig eingeschlagen hatten, schon mal erreicht. Wolfenstetter, inzwischen auch Coach der Tour-Pros Max Kieffer und Sebastian Heisele, gibt die Marschroute vor: „Beim Final Four wollen wir auch heuer wieder dabei sein, und diesmal soll es auch ein Podestplatz für uns sein.“

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  • Maximilian Bögel wechselt vom GC St. Leon-Rot zum GC Mannheim-Viernheim. Foto: DGV/Kirmaier
  • Dominik Müller (r.) musste seinen Trainerstuhl bei St. Leon-Rots Herren räumen. Foto: DGV/Kirmaier
  • Bleibt der 1. Bundesliga Süd erhalten: Florian Horder wechselt von Absteiger München Eichenried zu Aufsteiger GC Olching. Foto: DGV/Kirmaier
  • Sie bilden auch 2018 das Trainergespann beim GC Herzogenaurach: Craig Miller (l.) und Martin Hastie. Foto: DGV/Kirmaier
  • Michael Hirmer wechselt vom GC St. Leon-Rot zum Stuttgarter GC Solitude. Foto: DGV/Kirmaier
  • Ted Long, Trainer des GC Mannheim-Viernheim und von der PGA of Germany zum Teacher of the Year 2017 gekürt, muss ein neues Team aufbauen. Foto: DGV/Kirmaier
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Ehrgeizig und selbstbewusst ist man geworden in Stuttgart, aber zurecht. Immerhin kegelte Solitude im Vorjahr den großen GC St. Leon-Rot aus dem Rennen um die Deutsche Meisterschaft. Verlassen haben das Herrenteam des Stuttgarter GC Solitude Max Bauer und Stefan Wiedergrün, der nach Frankfurt wechselt. Neu in Wolfenstetters Mannschaft sind dagegen Michael Hirmer (aus St. Leon-Rot) und Julian Gesell, der in der Saison maßgeblich daran beteiligt war, dass dem GC Olching die Rückkehr in die 1. Bundesliga gelang. Im Großen und Ganzen wird Stuttgart also mit einem Kader an den Start gehen, der in der Breite vielleicht noch ein klein wenig stärker besetzt sein wird.

GC Herzogenaurach

Die Franken waren in der Saison 2017 eindeutig so etwas wie der Mittelklasse-Wagen in der 1. Bundesliga Süd der Herren. Um den drei vorderen Teams in die Quere zu kommen, fehlte die Qualität, um aber ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten, hatte der „Kleinwagen“ des GC München-Eichenried zu wenig PS. Also konnten sich Herzogenaurachs Männer ganz ohne Druck im Niemandsland bewegen, was auf Dauer auch nicht zufrieden macht. „Natürlich würden wir gerne mal unter die ersten Drei kommen, aber das wird sehr schwer, weil Stuttgart schon sehr stark geworden ist“, erklärt Craig Miller.

Der Trainer der Herzogenauracher Herren kann immerhin vermelden, dass sein Kader keine Abgänge zu beklagen hat. Auch Matthias Schmid, amtierender Bayerischer Meister und Freshman im Men's Golf Team der Louisville Cardinals, wird aus den USA anreisen, um seinen Club in der Bundesliga zu unterstützen. Und es werden zudem zwei Neuzugänge ins Team stoßen: Lukas Pany wechselt aus dem eigenen Nachwuchs in den Herrenbereich, und mit Simon Zach konnten die Clubverantwortlichen einen dicken Fisch an Land ziehen. Der Tscheche durfte bereits auf der European und der Challenge Tour Erfahrungen sammeln, gehört wie Schmid dem Golfteam der Louisville Cardinals an und gewann im Mai 2017 die Internationale Slowenische Meisterschaft, bei der Runden von 69, 68 und 66 Schlägen absolvierte.

GC Olching

Da Marco Schmuck die Herausforderung St. Leon-Rot angenommen und Olching verlassen hat, musste schnell ein neuer Trainer gefunden werden. Die GCO-Verantwortlichen machten sich auf die Suche und engagierten das Trainerpaar Thomas und Nicole Gögele, das zuletzt im St. Eurach G&LC tätig war. „Wir lieben den perfekten Golfschlag“, steht auf deren Homepage geschrieben. Davon werden die Herren aus Olching in dieser Saison eine Menge brauchen, denn einfach wird die Mission Klassenerhalt für Thomas Gögele und seine neue Mannschaft nicht. „Uns geht es in erster Linie darum, die jungen Spieler zu entwickeln und alle Teile des Teams besser zu machen“, sagt der neue Cheftrainer.

Sein Vorgänger habe schon sehr gute Arbeit geleistet, trotzdem wolle er einige Dinge verändern und dem Aufsteiger aus dem Münchner Westen seine Handschrift verpassen. Mit Julian Gesell, Jonas Liebich und Noah-Elia Auner haben zwar starke Akteure den Club verlassen, aber von vornherein die Flinte ins Korn werfen, kommt für Thomas Gögele nicht in Frage. Immerhin konnte mit Florian Horder (kommt vom GC München Eichenried) ein Spieler verpflichtet werden, der schon Erstliga-Luft schnuppern durfte. Dass es eine große Challenge wird, die Liga zu halten, ist Gögele klar. Aber es gehe in dieser Saison primär um ganz andere Dinge, nämlich langfristig einen schlagkräftigen Kader aus Eigengewächsen und neuen Spielern aufzubauen, „der dann auf Dauer auch in der 1. Bundesliga mitspielen kann“, so der neue Olchinger Chefcoach.