Stuttgart siegt im Krimi von Mannheim

1. Bundesliga Süd - Herren

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Thomas Kirmaier

Das war ein echter Krimi. Buchstäblich mit dem letzten Putt sichert sich der Stuttgarter GC Solitude den Sieg am 2. Spieltag im GC Mannheim-Viernheim mit gesamt -25 und einem Schlag vor dem Gastgeber. 

Besser hätte Alfred Hitchcock das Drehbuch nicht schreiben können. Von wegen Golf kann nicht spannend sein. Was sich am 2. Spieltag der KRAMSKI Deutschen Golf Liga presented by Audi im GC Mannheim-Viernheim zugetragen hat, war Werbung für den Golfsport in Deutschland. Die Entscheidung zu Gunsten des Tagessiegers aus Stuttgart fiel buchstäblich mit dem letzten Putt. Die Schwaben sichern sich wie im Vorjahr die fünf Punkte in Mannheim-Viernheim und können sich für den schwachen Start vor zwei Wochen in St. Leon-Rot rehabilitieren. Aber wie kam's überhaupt erst dazu?

Der Reihe nach: Nach den Vierern am Samstag hatte der GC St. Leon-Rot noch mit gesamt elf unter Par in Front gelegen. „Uns ist aber klar gewesen, dass es noch sehr eng werden würde. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen“, sagte Marco Schmuck um die Mittagszeit. Genau zu einem Zeitpunkt, als die Führung ständig hin- und herwechselte. Mal Mannheim, mal St. Leon-Rot, mal Stuttgart. Irgendwann war allen klar, dass es einen Showdown um den Tagessieg geben könnte, der an Spannung kaum zu übertreffen sei. Und genau so kam es dann auch.

Stuttgarts Jonas Kugel im entscheidenden Moment ganz cool

Die entscheidende Minute des Wochenendes war vielleicht die ab 14.11 Uhr. In der vorletzten Gruppe legte Mannheims Marc Alexander Hammer seine Annäherung am Fahnenstock der 18 zum sicheren Birdie ab, was Gleichstand bei -24 mit Stuttgart bedeutet hätte. Es kam anders, weil: „Ich habe den Jubel der Zuschauer auf der Terrasse gehört, da war mein Ball auf dem 17. Grün schon unterwegs“, schilderte Jonas Kugel die Szene – und die hatte es in sich. Kugels Ball rollte aus sechs Metern downhill Richtung Loch – und fiel. Birdie. Wieder Jubel, nur diesmal auf der anderen Seite. Solitude lag bei -25 und damit wieder allein in Front. Nun war klar, dass ein Par auf der 18 zum Tagessieg reichen würde. Kugel machte es spannend, traf mit Schlag zwei das Grün, ließ seinen Putt aber zu kurz. Noch ein Meter fehlte, und der Sieg für Stuttgart wäre perfekt. Jonas Kugel behielt die Nerven, stopfte den Ball und jubelte.

„Ich bin mächtig stolz auf meine Jungs. Am Samstag ist es nicht wirklich gut für uns gelaufen, aber heute haben alle Gas gegeben und sich die fünf Punkte auf jeden Fall verdient“, kommentierte ein überglücklicher Peter Wolfenstetter den Triumph seiner Schützlinge. Natürlich seien am Vorabend ein paar deutliche Worte gefallen, aber auch das müsse ab und zu sein. Die Ergebnisse der Stuttgarter in den Einzeln zeigen jedoch, dass es manchmal lohnt, sich auszusprechen. Michael Hirmer (65/-7), Peter Staalbo und Julian Gesell (jeweils 66/-6) ebneten den Schwaben den Weg zum Tagessieg. "Diesmal sind einfach die Putts gefallen", so Solitude-Neuzugang Julian Gesell. Mit gesamt -25 gewann Stuttgart schließlich nur hauchdünn vor Gastgeber Mannheim-Viernheim (-24) und dem GC St. Leon-Rot (-22), der nach den Vierern noch zehn Schläge vor Stuttgart gelegen hatte.

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  • Schlag ins Glück: Jonas Kugel legt an der 18 zum sicheren Par ab und schießt seine Stuttgarter damit zum Tagessieg. Foto: DGV/Kirmaier
  • Showdown: Während sich Jonas Kugel (Stuttgart) seinen letzten Putt ganz genau anschaut...  Foto: DGV/Kirmaier
  • ...beobachtet ihn die Konkurrenz aus Mannheim-Viernheim ebenso genau. Foto: DGV/Kirmaier
  • Zu viele Chancen liegengelassen hat Allen John vom GC St. Leon-Rot. Foto: DGV/Kirmaier
  • Einmal durchpusten: Moritz Böck vom GC Olching blieb am Ende wieder nur der letzte Platz. Foto: DGV/Kirmaier
  • Immer das Beste geben - das ist in der 1. Bundesliga sowieso die Devise. Foto: DGV/Kirmaier
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Die beste Runde des Wochenendes absolvierte allerdings ein Mannheimer: Max Oelfke vom Gastgeber bewies einmal mehr, dass keiner den Kurs so gut beherrscht wie er. Mit beeindruckender Souveränität sammelte der College-Student die Birdies (und ein Eagle auf Bahn acht) eimerweise ein und beflügelte damit die gesamte Mannschaft. Es wäre sogar noch mehr drin gewesen, denn auf den letzten Bahnen lippte ihm der ein oder andere Putt dann doch aus. Mit einer bärenstarken 64 (-8) landete Oelfke das beste Resultat des Wochenendes und verpasste seinen Platzrekord aus dem Vorjahr nur um einen Schlag.

Die Anlage war nicht nur laut Wettspielleiter Karsten Schimmelpfennig in einem großartigen Zustand. Auch Professional Florian Fritsch erklärte, dass „hier durchaus tiefe Scores machbar sind“. Der Heidelberger brachte eine 69 (-3) ins Clubhaus und beendete sein Einzel mit einem versöhnlichen Birdie-Birdie-Finish. Weniger glücklich war SLR-Teamkollege Allen John, der vor zwei Wochen noch so großartig auf der eigenen Anlage abgeliefert hatte. Diesmal ließ John aber einfach zu viele Chancen liegen und musste sich mit einer 71 (-1) zufrieden geben. Kleiner Trost für St. Leon-Rot: Die Mannschaft von Marco Schmuck bleibt auch nach Platz drei in Mannheim Tabellenführer.

Auch Herzogenaurach in den Einzeln stark

Etwas schade war, dass wegen des dramatischen Dreikampfes an der Spitze die gute Leistung des GC Herzogenaurach fast untergegangen ist. Immerhin blieben gleich fünf Akteure der Franken in den Einzeln am Sonntag unter Par. Die besten Resultate verbuchten der Bayerische Meister des Vorjahres, Matthias Schmid, und der Schotte Euan McIntosh, die beide jeweils eine starke 67 (-5) unterschrieben. „Keinen Vorwurf an meine Jungs, sie haben gut gespielt“, resümmierte GCH-Coach Craig Miller. Ziemlich eingebrochen sind am Sonntag die Aufsteiger aus Olching. Auch Professional Patrick Kopp war es nicht gegönnt, ein Ergebnis unter Par einzubringen. Am Ende war der Abstand zur Konkurrenz einfach viel zu groß.

So scheinen in der 1. Bundesliga Süd der Männer langsam wieder gewohnte Verhältnisse einzutreten. St. Leon-Rot, Mannheim-Viernheim und Stuttgart kämpfen um den Einzug ins Final Four, der GC Herzogenaurach bildet nach drei Jahren Zugehörigkeit im deutschen Oberhaus das Mittelfeld, und der Aufsteiger aus München kann nicht Tritt halten. In vier Wochen steht der 3. Spieltag der KRAMSKI DGL an. Dann ist der Stuttgarter GC Solitude Gastgeber – und man darf gespannt sein, welches Drehbuch dort geschrieben wird. Recht viel spannender als in Mannheim-Viernheim geht es eigentlich nicht.